Angeln an jungfräulichen Gewässern – Teil IV

2 Feb, 2020Vom Wasser

Es war bereits Ende Oktober als ich das nächste Mal am See fischen konnte. Eine Social-Session Mitte Oktober und meine väterlichen Pflichten hatten Priorität. Da ich das doch recht schlechte Ergebnis, welches ich zusammen mit Mo Ende September hatte, auf das Wetter schob blieb meine Strategie die Gleiche. Wieder bereitete ich die Plätze analog der letzten beiden Sessions vor. Es gab jedoch einen gravierenden Unterschied. Dieses Mal setzte ich keine Partikel mehr ein, sondern ersetzte diese durch kleine Pellets aus Fischmehl in 6mm, 8mm und 10mm. Die Menge wurde, da ich wieder alleine fischen sollte, auch entsprechend auf 3kg pro Fütterung begrenzt. In denselben Zeitabständen fütterte ich jeweils dreimal vor. Dennoch gab es eine Besonderheit. Anstatt vor dem Fischen einen Tag Pause zu lassen erfolgte die letzte Fütterung 24h vor der Session. Ich setzte alles auf eine Karte und war mir bewusst das ich evtl. auf noch altem Futter angeln könnte. Der Plan stand und das Füttern lief gut. Am letzten Freitag im Oktober kam ich gegen Mittag am See an und bezog wieder den Platz wo ich bereits meine erste Session verbracht hatte. Der Erfolg der ersten Session und die Spots die ich befischen konnte gaben mir ein gutes Gefühl. Wieder war das Wetter bedeckt aber diesmal trocken. Die Temperaturen waren für Ende Oktober sehr mild mit 12 Grad tagsüber und durch den bedeckten Himmel 8 Grad nachts. Ich baute mein Brolly auf und montierte die Ruten. Da es dieses Mal nur eine Nacht werden sollte entschied ich mich direkt drei Ruten mit Schneemännern zu beködern und eine Rute mit einem Spinner-Rig und einem pinken Poppi. Um halb Zwei lagen die Ruten und ich setzte mich in meinen Stuhl und verspürte das Gefühl der absoluten Zufriedenheit. Mein Kopf war voll im hier uns jetzt und ich konnte den Augenblick so richtig genießen.

Plötzlich stand Joe hinter mir um mich zu besuchen. Wir quatschten ein paar Minuten bis wie aus dem nichts eine meiner Ruten ablief. Ich nahm Kontakt auf und spürte wieder einen guten Fisch am anderen Ende der Schnur. Der Drill war heftig und der Fisch zog vor dem Ufer seine Bahnen. Ich hatte Probleme den Fisch zu dirigieren und plötzlich hing er 25m direkt vor meinen Füßen fest. Wie kann das sein? Ist dort irgendwo ein Hindernis von dem ich nichts weiß? Sei es drum. Ich musste den Fisch irgendwie freibekommen. Ich erhöhte den Druck und vernahm ein leichtes Rucken in der Schnur bis die Schnur wieder bombenfest hing. Ich legte die Rute ab und hoffte darauf das sich der Fisch selbst freischwimmt. Im Kraut funktioniert diese Variante sehr gut. Leider tat sich in diesem Fall aber nichts. Ich nahm die Rute wieder auf und fing an zu ziehen. Mit aller Kraft riss schließlich die Schnur. Ich fühlte mich elendig, da ich nichts Schlimmeres beim Angeln kenne als einen Fisch durch Schnurbruch zu verlieren und das arme Tier mit ein paar Metern Schnur im Maul im schlimmsten Falls noch Tage rumschwimmen muss, bis der Haken irgendwann rausfällt. Zu meiner Verwunderung ist das Vorfach direkt am Haken gerissen. Ich gehe ganz stark davon aus, dass das Rucken in der Schnur das Aussteigen des Fisches war und der Haken dann irgendwo direkt festsaß. Mal gewinnt man, mal verliert man. Man kann leider nicht alles beeinflussen beim Angeln. Ich ließ mich durch den Verlust nur kurz demotivieren und fuhr die Rute wieder raus. Was war das wieder für ein Start?  Die Rute lag gerade einmal eine Stunde und prompt lief ein Fisch ab. Ich war guter Hoffnung das da noch was kommen wird. Leider blieb der Rest des Tages ruhig und somit entschloss ich mich gegen Abend noch einmal die Ruten neu rauszufahren. Gegen Abend ist witzig, wenn man bedenkt das es Ende Oktober bereits gegen 18Uhr dunkel ist. Um 19Uhr war die Arbeit getan und ich legte mich auf die Liege. Es fing leicht an zu regnen. Perfekt! Leichter Regen ist immer gut und er hilft mir beim Einschlafen. Somit fand ich schnell in den Schlaf. Um 23Uhr wurde ich von einem Vollrun aus den Träumen gerissen und ich hechtete zur Rute. Es war dieselbe Rute wie am Nachmittag. Diesen Fisch darf ich nicht verlieren! Unfassbar mit welchen Selbstzweifeln man zu kämpfen hat, wenn man einen Fisch im Vorfeld verloren hat. Die ganze Routine der letzten Wochen eventuell sogar Monate ist futsch. Ich bin immer nervös, wenn ich einen Fisch drille, aber dieser Drill war wieder die Hölle. Die ganze Zeit dachte ich daran was passieren würde, wenn es wieder schief geht. Am Ende war aber alles gut und ein dicker Spiegler fand sich in meinem Kescher wieder. Wie ich den Fisch auf die Matte legte fielen mir sofort zwei große Schuppen in der Nähe des oberen Kiemendeckels auf.

Ein „alter“ Bekannter. Was sagt das über den Bestand aus?

Ich habe ein sehr gutes Gedächtnis was Fische anbelangt und mir schoss sofort der große Spielger von Kevin in den Kopf, den er während seiner ersten Session fangen konnte. Ist das die Möglichkeit? Hatte ich den Fisch tatsächlich wieder gefangen? Da ich das Problem mit der Kamera und den Night-Shots noch immer nicht beheben konnte, kam der Fisch in den Retainer. Ich weiß, keine schöne Art und Weise. Mittlerweile, wo ich diese Zeilen schreibe, ist das Problem abgehakt. Ein einfacher Kabelauslöser hatte Gott sei Dank die Wende gebracht. Die Rute fand schnell wieder den Platz auf dem Spot und ich legte mich wieder hin. Der Rest der Nacht verlief sehr ruhig und so wachte ich am nächsten Morgen ausgeruht auf. Ich war gerade dabei mir meinen morgendlichen Kaffee zu machen, als die Rute mit dem pinken Pop-Up ablief. Nach kurzem Drill landete ein toller Lederkarpfen in meinem Kescher. Halt Moment, Lederkarpfen? Ich fotografierte den Fisch und verglich danach die Bilder mit denen von Joe. Joe hatte auch, wie in einem der vorherigen Teile geschrieben, einen Lederkarpfen gefangen. Tatsächlich! Es ist der Fisch. Das Wiegen ergab dasselbe Gewicht wie bei Joe vor etwa 8 Wochen. Der Spiegler in der Retainer wurde auch gleich versorgt und die Bilder verglich ich prompt mit denen von Kevin. Nein! Das gibt es nicht! Auch derselbe Fisch wie der von Kevin. Langsam wird er unheimlich. Wie viele Fische schwimmen denn in diesem See?

Ein herrlicher Fisch der den pinken Poppi nicht liegen lassen konnte.

Gegen 9Uhr kam Kevin zu Besuch. Wir unterhielten uns und ich merkte das ich langsam mal für große Jungs musste. Ich gab Kevin meine Funke in die Hand und sagte noch zu ihm, dass er, wenn ein Fisch anbeißt den Fisch hart rannehmen soll, da direkt vor dem eigenen Ufer ein Hindernis liegt wo ich gestern bereits einen guten Fisch verloren hatte. Wie es der Zufall so will hörte ich nach zwei Minuten tatsächlich meinen Bissanzeiger. Das kann nicht wahr sein. Was ist das wieder für ein beknackter Zufall. Ich beeilte mich und sah wie Kevin bereits am drillen war. Ich stand neben ihm und überlegte ob ich nun weiter drillen soll oder ob ich ihn den Drill überlassen sollte, da er mittlerweile zwanzig Nächte hier verbracht hat und leider nur 3 Fische fangen konnte. Ich entschied mich dazu ihn den Kampf beenden zu lassen. Ich stand neben ihm und wies in nochmals auf das Hindernis hin und das er den Fisch an die Oberfläche zwingen muss. Zwei Minuten später saß der Fisch im Hindernis. Wieder dasselbe Spiel. Ein kurzer heftiger Ruck und bombenfest. Alles spielte sich wieder genauso ab wie den Nachmittag zuvor. Das Vorfach riss direkt am Haken und ich werde wohl nächstes Jahr beim Tauchen ein paar Haken in dem Hindernis finden können. Ich war sehr traurig über den Verlust, aber Kevin ging es noch viel schlechter. Nicht nur, dass er einen Fisch an diesem schweren Gewässer verloren hatte, es war auch noch mein Fisch. Das war somit die Kirsche auf der Torte. Schlimmer geht’s nimmer oder wie heißt es so schön? Trübsal blasen hilft auch nichts also Rute wieder raus und los. Es war mittlerweile halb Elf und ich begann einzupacken, da ich zu meiner Frau und meinem Jungen wollte. Ich ließ die Session noch einmal Revue passieren. Das Ergebnis war trotzdem gut. Vier Läufe in einer Nacht. Die Ausbeute mit 50/50 war miserabel, aber nun gut, kann passieren. Kevin wollte gerade los, da kam Mo um die Ecke und wir quatschten noch ein wenig. Nach fünf Minuten lief die Rute, die ich kurz vorher erst rausgefahren hatte, erneut ab. Wie krass ist das bitte? Ich ging zur Rute und drillte einen stark kämpfenden Fisch. Komisch oder? Irgendwie sind alle Fische die ich da drille stark. Entweder ist es nur mein Empfinden oder sie sind wirklich stark. Ich drillte den Fisch im Bereich des Hindernisses sehr hart und zweifelte schon teilweise ob das wohl gutgehen mag. Aber lieber ein Aussteiger als ein Schnurbruch dachte ich mir. Nach etwa 20 Minuten heiterem bangen glitt ein toller Schuppi in den Kescher. Meeega!!!

Der zweite Schuppi aus dem See.

Drei Fische und wieder ein guter Fisch. Wie krass ist dieser See? Woher kommt dieses enorme Schnittgewicht? Wir lichteten gemeinsam den Fisch ab und ich packte alles final zusammen. Nun war gut gewesen. Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist!

Motiviert durch meinen Erfolg fragte Kevin ob er die Stelle am nächsten Tag übernehmen kann. Klar, unter Freunden teilt man gerne.

Fortsetzung folgt…

Euer Thomas